Reus im O-Ton
Endlich der erste Einsatz? Reus hofft aufs Spiel gegen Brasilien
Als Gladbacher zum A-Team: "Darauf bin ich sehr stolz"
"Nationalspieler, das ist das Grösste"
Jung, schnell, hungrig, technisch versiert, mannschaftsdienlich, mit Drang zum Tor und gut im Abschluss. Die Attribute, die Marco Reus zugeschrieben werden, passen ins Anforderungsprofil wohl jedes Trainers. Auch Joachim Löw ist von den Fähigkeiten des Gladbachers überzeugt. Deswegen hat er ihn immer wieder zur Nationalmannschat berufen, auch wenn Reus immer wieder passen musste. Mal war es ein grippaler Infekt, dann hatte er Probleme mit der Muskulatur, irgendetwas war immer, dass das Nationalmannschaftsdebüt von Reus verhindert hat. Diesmal soll es endlich soweit sein. „Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn es endlich klappen würde“, sagt Reus im Gespräch mit Redakteur Steffen Lüdeke. Außerdem spricht der 22-Jährige über den Sieg gegen Bayern, den Aufwärtstrend in Gladbach und über gute Ratschläge von guten Freunden.
team.dfb.de: Herr Reus, der Sieg mit Gladbach in München liegt jetzt zwei Tage zurück. Wie bewerten Sie mit einigem Abstand das Spiel?
Marco Reus: Wir hatten uns im Vorfeld schon etwas ausgerechnet und wollten auf jeden Fall einen Punkt mitnehmen. Wir wollten hinten kompakt und sicher stehen, um hin und wieder mit Kontern ein paar Nadelstiche setzen zu können. Ich glaube, man kann sagen, dass uns das gut gelungen ist. Wir haben wenig hundertprozentige Chancen zugelassen. Aber natürlich war bei unserem Tor auch ein wenig Glück dabei.
team.dfb.de: Ein Sieg in München zum Auftakt – so kann es weitergehen.
Reus: Das wäre natürlich nicht schlecht (lacht). Jetzt mischen wir die Liga so richtig auf, nein Spaß beiseite, wir sind ja froh, dass wir überhaupt noch dabei sind.
team.dfb.de: Gladbach war in der vergangenen Saison fast schon abgestiegen. Was hat sich verändert?
Reus: Vor allem leisten wir jetzt bessere Defensiv-Arbeit. Das war schon in der Vorbereitung zu sehen und das hat sich gegen Bayern fortgesetzt.
team.dfb.de: Inwieweit ist es auch für Ihr Spiel gut, wenn Sie wissen, dass nicht jeder Ballverlust mit einem Gegentor bestraft wird?
Reus: In der Hinrunde der vergangenen Saison war es teilweise so, dass die Offensivspieler sich wirklich irgendwann gescheut haben, ins Risiko zu gehen, weil wir defensiv einfach zu anfällig waren. Das hat sich komplett gedreht. Wir stehen jetzt hinten sehr geordnet und spielen diszipliniert. Manchmal schaue ich mir das an und frage mich, wie der Gegner jemals ein Tor erzielen will. Bei uns arbeitet die ganze Mannschaft nach hinten, das macht es für jeden Gegner schwer. Und den Offensivspieler gibt das natürlich Sicherheit für ihre Aktionen. Es beruhigt, zu wissen, dass wir uns in der Defensivarbeit gesteigert haben.
team.dfb.de: Sie sind am Sonntag nach dem Spiel aus München nach Stuttgart zur Nationalmannschaft gefahren. Zusammen mit den Bayern-Spielern. Wie war das?
Reus: Philipp Lahm, Toni Kroos und Thomas Müller waren im Auto dabei. Es war eine schöne Fahrt - für mich. Für die drei wahrscheinlich nicht so. Aber das gehört dazu. Natürlich hat von ihnen niemand damit gerechnet, dass das Spiel so ausgehen könnte.
team.dfb.de: Waren Sie ruhig während der Fahrt. Oder haben Sie die Bayern-Spieler mit ein paar Sprüchen aufgezogen?
Reus: Natürlich habe ich ein paar Späßchen gemacht, das gehört auch dazu. Aber ich glaube nicht, dass ich es übertrieben habe.
team.dfb.de: Der Aufwärtstrend in Gladbach unverkennbar. Wie sicher sind Sie, dass er anhält? Besteht die Gefahr, dass das Team jetzt wieder glaubt, dass alles von alleine gehen könne?
Reus: Ich glaube nicht, dass die Gefahr groß ist, dass bei uns jemand anfängt durchzudrehen. Wir haben in München gewonnen, das ist super. Aber mehr wert als drei Punkte ist auch ein Sieg bei den Bayern nicht. Außerdem sind wir gewarnt. Wir haben im vergangenen Jahr am zweiten Spieltag mit 6:3 in Leverkusen gewonnen. Was danach passiert ist, haben ja alle gesehen. Aus dieser Situation haben wir gelernt, deswegen glaube ich, dass wir alle ganz gut einschätzen können, was wir leisten können und was nicht. Aber natürlich gibt ein Sieg in München sehr viel Selbstvertrauen.
team.dfb.de: Jetzt sind sie hier bei der Nationalmannschaft…
Reus: … einmal mehr.
team.dfb.de: Sie sagen es. Zum vierten Mal. Und immer kamen Verletzungen oder Krankheiten dazwischen und haben Ihr Debüt verhindert. Wird man da allmählich vorsichtig oder ängstlich?
Reus: Nein, nein. Das bringt ja nichts. Wenn man sich nur darauf konzentriert, sich bloß nicht zu verletzen, dann passiert garantiert etwas. Ich werde hier ganz normal trainieren und mich ganz normal vorbereiten und dann gehe ich davon aus, dass diesmal hoffentlich nichts passiert. Und ich dann hoffentlich endlich auch mein Debüt feiern kann.
team.dfb.de: Wie wichtig ist Ihnen das denn – endlich das erste Spiel für das A-Team zu machen?
Reus: Dann ist man Nationalspieler, das ist das Größte. Hier überhaupt dabei zu sein, ist schon etwas Großes. Mir macht es riesigen Spaß, mit den ganzen Spielern und dem Betreuerstab. Und der erste Einsatz, das wäre natürlich das I-Tüpfelchen.
team.dfb.de: Sie haben neulich in einem Interview gesagt, dass Sie einen eigenen Kopf haben würden. Wie genau haben Sie das gemeint?
Reus: Ich weiß gar nicht, ob ich das wirklich so gesagt habe. Was heißt eigener Kopf? Ich versuche immer, mein Ding durchzuziehen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht offen für Ratschläge wäre. Ob das der Trainer ist, die Mitspieler oder die Familie ist. Aber ich weiß natürlich auch, was ich will und was gut für mich ist.
team.dfb.de: Fühlen Sie sich heute anders, als bei ihrem ersten Dabeisein im Kreise des A-Teams?
Reus: Ich bin nicht mehr so nervös. Beim ersten Mal kannte ich nur wenige Mitspieler vorher, auch waren mir die meisten aus dem Betreuerstab fremd. Das hat sich mit jedem Mal geändert. Ich bin also mittlerweile viel lockerer, aber ein wenig aufgeregt wird man wohl immer sein.
team.dfb.de: Sie sind der einzige Gladbacher bei der A-Mannschaft. Hat dies für Sie eine Bedeutung?
Reus: Ich freue mich, dass ich Gladbach hier vertreten kann. Es macht mich auch ein wenig stolz, dass ich als Spieler dieses Traditionsvereins zur Nationalmannschaft gekommen bin.
team.dfb.de: Für den Fall, dass es am Mittwoch mit ihrem Debüt klappt. Wäre dies noch einmal mehr besonders, weil es ausgerechnet gegen den fünfmaligen Weltmeister geht?
Reus: Klar. Nicht jeder kann von sich behaupten, dass er in einem Spiel gegen Brasilien debütiert hat. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn es tatsächlich klappen sollte.

